Fatra e. V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Frankfurt am Main. Er bietet Flüchtlingen und Folteropfern psychologische Beratung und Vermittlung in psychotherapeutische Hilfen an, leistet Menschenrechtsarbeit und bietet Fortbildungen für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, Dolmetscher und Mitarbeiter des Gesundheitswesens an. Dadurch sollen eine Verbesserung der psychosozialen Situation von (traumatisierten) Flüchtlingen und ihren Kinder und ein erleichterter Zugang von Flüchtlingen zu den Angeboten der gesundheitlichen Regelversorgung erreicht werden . Wichtig ist auch die politische Lobby- und Menschenrechtsarbeit für Flüchtlinge. Die Quäker-Hilfe fördert das Projekt „Behandlungsnetzwerk für Flüchtlinge“.
Bild: Ein Flüchtlingskind verarbeitet seine Erlebnisse künstlerisch.

Ein konkretes Beispiel aus der Arbeit von Fatra e. V.:
Frau G. floh vor einigen Jahren als 17-jähriges Mädchen aus dem Krieg in Afghanistan nach Deutschland. Sie suchte Fatra auf, weil sie unter Angstzuständen und depressiven Stimmungen litt und sich im Alltag überfordert fühlte. An manchen Tagen schien es ihr unmöglich zu sein, sich von ihrer Tochter zu trennen und diese im Kindergarten abzugeben. Auch in die Beratung nahm Frau M. die kleine Tochter mit, weil sie selbst sich dann sicherer fühle. Sie hatte Angst, dass ihr selbst oder der Tochter etwas Schlimmes zustoßen könne, war sich subjektiv sicher, dass man fremden Menschen nicht trauen könne und dass jederzeit eine neue Katastrophe über sie hereinbrechen würde. Nur wenn sie mit ihrer Tochter zusammen sei, trete diese Angst in den Hintergrund.
Zunächst berieten wir, wie die Mutter das Kind für die Zeit der Beratungsstunden einer Freundin anvertrauen könnte, sodass es möglich würde, in der Beratung über die Sorgen und auch über die traumatischen Erlebnisse zu sprechen. Nachdem dies gelungen war, stellte sich heraus, dass die Klientin als 16-Jährige von Soldaten im eigenen Elternhaus überfallen und vergewaltigt worden war. Seit dieser Zeit sei sie wie abgeschnitten von der Welt, nur die Tochter sei ein Zeichen der Hoffnung, berichtete sie. Ihre Kriegserlebnisse seien ihr privates Geheimnis, niemand dürfe davon erfahren, weder der Ehemann noch die Freundinnen oder Bekannten.
In weiteren Gesprächen wurde deutlich, dass sich die extreme Gewalterfahrung der Mutter auch auf das Verhalten der Tochter ausgewirkt hatte. Das Kind blieb im Kontakt mit Fremden stumm und mochte sich ihrerseits nicht von der Mutter entfernen. Zusammen mit der Klientin erarbeiteten wir Möglichkeiten, wie sie für sich selbst Unterstützung im Rahmen einer Psychotherapie erfahren könnte und welche soziapädagogischen oder therapeutischen Angebote es für die Tochter gibt. Am Ende der Beratung entschied sich Frau G. dafür, eine Psychotherapie zu beginnen, die wir innerhalb des Frankfurter Behandlungsnetzwerkes für Flüchtlinge vermitteln konnten.